Die weisse Frau (Schweiz)

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Die weisse Frau (Schweiz)

Beitrag  Kahlan am Do März 18, 2010 2:27 am

1. »Ich diente damals im Hause des Herrn Berger in Altdorf, das am Platze neben dem Besslerbrunnen steht und im Anfang des 19. Jahrhunderts von Landammann Xaver Arnold bewohnt worden war, von dem man sagte, er habe einen Schatz vergraben († 1841). Neben mir diente ein Kindermädchen. Es war allen Hausbewohnern bekannt, dass jedesmal, wenn eine Person aus dem Hause starb, vorher eine schöne, weisse Frau sich sehen liess. Nur das Kindermädchen wusste noch nichts davon. Eines Abends, als ich und die Familie Berger in der Stube sassen, wachte dasselbe am Bettchen eines kranken Kindes im Nebenzimmer. Plötzlich kam es, ängstlich schreiend, in die Stube gerannt und rief: »Cheemet, cheemet!« Alle liefen rasch in das Nebenzimmer, in der Meinung, das Kleine sei am Sterben. Drinnen aber erzählte das Mädchen voll Schrecken: »Da aus dem Wandschrank heraus ist eine schöne, weissgekleidete Frau hervorgetreten und langsam zum Bettchen hingeschritten und hat das Kind so angeschaut. Als mir ein Angstschrei entging, hat sie sich gleitig hinter die Fenstervorhänge zurückgezogen. Schauet nach!« Wir alle schauten hinter die Vorhänge, aber es war kein Mensch zu sehen. Einige Tage später war das Kind ein Engelein.«

Auch im Hause Dr. Jauch, jetzt Schieli, im Vogelgsang zu Altdorf und im Schlösslein Apro zu Seedorf wurde die weisse Dame gesehen, und ihr Erscheinen bedeutete jedesmal den Tod eines Hausinsassen.

Frau Tschudi-Arnold, 75 J. alt.

2. »Ein anderes Mal, als ich im Bette lag, sah ich auf einmal ein Weibervolk, weiss gekleidet, mit einer langen, weissen Jacke, neben meinem Bette stehen. Ich erschrak furchtbar. Wenige Tage später starb ein Weibervolk in der Nachbarschaft, und ich musste hingehen und helfen, es einzusargen. Es war grad so gekleidet wie jenes, das ich am selben Abend bei meinem Bette gesehen hatte.«

F. Zgraggen.


Quelle:
Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945, S. 110-111.
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